CD-Review: Vogelfrey – Nachtwache (VÖ: 25.10.2019)

Cover – Nachtwache

Das fünfte Studioalbum der Folk Metaller von Vogelfrey entführt den Zuhörer auf eine wilde Reise durch die Tiefen der Nacht! Kraftvoll wie nie zuvor schlagen die sechs Hamburger auf Nachtwache die Brücke zwischen Altertum und Neuzeit und präsentieren sich mal schaurig, mal frivol, doch immer in bester Feierlaune. Märchenhaft versponnen oder mit geballter lyrischer Faust!

Tracklist:
1. Ära des Stahls
2. Schüttel Dein Haupt
3. Magst Du Mittelalter?
4. Metamnesie
5. Sündenbock
6. Alptraum
7. Walhalla
8. Midwinter
9. Spieglein, Spieglein
10. Auf ST. Pauli

Mit dem Ära des Stahls leiten die Vogelfreyen das Album ein und binden in den Text einige ihrer bisherigen Songs ein. Melodisch präsentiert sich der Song dynamisch und kraftvoll – typische Drum-Wellen ziehen sich durch den Song und laden zum tanzen und feiern ein. In schon fast bester NDH-Manier beginnt Titel Nummer zwei – Schüttel dein Haupt ist einer der düsteren Songs des Albums. Natürlich richtet sich der Song an alle Metaler – Headbanging steht hier an oberster Stelle. 

Die mystische Ästhetik des Mittelalters verbindet sich spielerisch mit bissiger und geschickt eingeflochtener moderner Gesellschaftskritik. Folkig, jedoch mit einem noch klareren Bekenntnis zu ihren Metal Wurzeln, lassen Vogelfrey auf Nachtwache kräftig die musikalischen Muskeln spielen. 

Auch der Song Magst du Mittelalter? nimmt nicht an härte ab. Außerdem haben sich die sechs bei diesem Song keinen geringeren als Chris Harms ans Mikrofon holen. Dieser übernimmt einen Gesangspart und haucht dem Song so einen ganz eigenen Stil ein. Ob durch Zufall oder gewollt passt Titel Nummer vier wunderbar dahinter. Vermutlich hatte schon jeder Mittelaltermarkt-Gänger einmal eine Metamnesie! Bei dem Song dringen Pfeife und Violine deutlich nach vorn und zeigen sich wunderbar präsent. 

Erwachsener, reifer und doch stets mit dem sprichwörtlichen Schalk im Nacken, demonstriert der selbsternannte “Pakt der Geächteten” hier seine unbändige Spielfreude, kombiniert mit der Essenz aus fünfzehn Jahren Bandgeschichte. 

Sündenbock ist ein sehr sozialkritischer Song der Hamburger und passt wunderbar in das heutige Weltgeschehen. So sucht man die Schuld doch immer beim anderen und folgt dem, der sich am besten Verkauft. Das ist zumeist jemand der Hetze und Lügen verbreitet. An härte verliert dieser Song aber auch nicht und lädt weiterhin zum Kopf-Nicken ein. Tatsächlich ist der Text aber schon recht schwere Kost. Abgelöst wird das ganze durch beruhigende Spieluhr Klänge, welche ruckartig durch ein hartes Drumset abgelöst wird. Insgesamt ist Alptraum ein sehr düsterer Song – teilweise aggressiv und gut umgesetzt. Abgehackte Gitarren vereinen sich mit düster-klaren Geigenklänge.

Mit Walhalla präsentieren die Vogelfreyen eine wunderschöne Ballade. Gefühlvoll und ruhig steigt man in den Song ein. Er erinnert sehr stark an “Waffenbruder” – was dem Song aber nicht negativ ausgelegt werden kann. Nach einiger Zeit wird der Song etwas melodischer und wird ein wenig Lauter – bleibt dabei aber trotzdem sehr schön und Emotional. Nach dem kurzen Stilwechsel erscheint Midwinter gleich doppelt so schnell. Druckvoll geht der Song nach vorn und zeigt sich als absoluter Party-Song.

 Die gebündelte Energie und Erfahrung zahlloser Club- und Festivalauftritte (2019 das fünfte Mal auf dem W:O:A), sowie Support Shows für Szene Größen wie Feuerschwanz und Tanzwut, entlädt sich auf Nachtwache energetischer und explosiver denn je. 

Marschierende Drums und dezente Geigenklänge leiten den vorletzten Song des Albums ein. Spieglein, Spieglein kommt in feinster Metal-Manier daher und wird durch Janniks großteils ruhige Stimme wundervoll abgerundet. Mit Auf St. Pauli endet die Nachtwache – anders als erwartet. Melodisch zwar sehr gut, doch passt es irgendwie nicht ganz in den Rest des Albums.

Live wird das neue Songmaterial erstmals im Dezember bei der Eisheiligen Nacht-Tour von Subway to Sally zu hören sein. Vogelfrey wird neben Fiddler’s Green und Knasterbart das Line-Up komplettieren.


Insgesamt ist Nachtwache ein sehr schönes Album. Feinster Folk-Metal zieht sich durch das komplette Album und greift von diversen Subgenres einige Stilmittel ab. Jedes Lied hat einen Vogelfrey-Wiedererkennungswert, wenn auch Auf St. Pauli irgendwie etwas hinten über hängt. Dessen ungeachtet zeigt Vogelfrey aber einen ausgereiften Sound-Mix, sodass Nachtwache eines der besten Alben darstellt. 

Veröffentlicht wird das neue Stück am 25.10.2019.
Vorbestellung: vogelfrey.lnk.to/Nachtwache

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