MAERZFELD – „Virus“: von Vorsicht, Inklusion und halb gewonnenen Kämpfen

Das jüngst vergangene Ostern war für uns wohl noch nie so, wie im gespenstischen Unglücksjahr 2020. An die Liebsten, die Familie, die Freunde denken, anstatt sie zu treffen. An vergangene Feiertage zurückerinnern und mit Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität in naher Zukunft schauen – mit Feiertagen so wie wir sie uns von Herzen wünschen. Doch nun sind wir hier, in einem Europa der Angst und der sich schließenden Grenzen – zwischen den Staaten und zwischen den Menschen. Wer kann uns helfen, eine so bedrückende Situation zu begreifen und sie durchzustehen, ohne unsere Würde und die unserer Mitmenschen anzugreifen, ohne als Gesellschaft ethisch zu entgleisen? Von wem können wir lernen?
Vielleicht von denen, die eine lange Tradition des Lebens mit und des Glücklichseins trotz der Angst haben. Von den Mitmenschen, denen der offene, respektvolle Umgang miteinander lange verwehrt blieb und zum Teil noch bleibt, den wir als Gesellschaft seit Jahrzehnten frei zelebrieren und in diesen unfreien Tagen so schmerzlich vermissen. Lasst uns von den Frauen, den Lesben und Schwulen, den Andersgeschlechtlichen lernen!

Mit diesem Gedanken haben die düsteren Rocker von MAERZFELD nun einen Blick zurück in ihre eigene Vergangenheit geworfen, mit „Virus“ vom 2011er Album „Tief“ einen der wohl eindringlichsten Songs ihrer Laufbahn in neuer Fassung aufgenommen und ihn für die Veröffentlichung als Lyrikvideo vorbereitet. Und nein, es geht dabei nicht um den neuen SARS-Ableger, der die Menschheit gerade zur globalen Geisel macht. Es geht um ein weit älteres Virus, das die am härtesten getroffen hatte, die am wenigsten in unserer Gesellschaft geborgen waren und die deshalb einen schier aussichtslosen Kampf über Jahrzehnte ausfechten mussten: gegen Ab- und Ausgrenzung, gegen den unfassbaren Horror einer tiefsitzenden, nagenden Angst um die eigene körperliche Unversehrtheit und das Leben. Es geht um HIV. Verfasst wurde das aus Sicht des Virus selbst erzählte Stück von Sänger Heli Reißenweber für einen schwulen Freund aus der Sorge heraus, dieser und seine Liebsten könnten wie so viele vor ihnen diesem heimtückischen Feind zum Opfer fallen. „Virus“ stellt dabei auf einer vordergründigen Ebene eine Warnung dar. Mit dieser kommt aber auch ein wichtiges Signal: Hier ist jemand, der dich braucht. Der dich nicht verlieren will. Pass‘ auf dich auf!

Bis dato hat die Menschheit keine Schutzimpfung gegen HIV und kein wirkliches Heilmittel gegen die dadurch ausgelöste Krankheit AIDS gefunden. Trotzdem fühlen sich viele der heute Betroffenen für ihren Kampf weit besser gerüstet als noch zu der Zeit, in der „Virus“ verfasst wurde: Wir sprechen offener über das Leid und auch die Medizin hat starke Fortschritte darin gemacht, mit der Krankheit besser leben zu können. Zeit, auf die Erfahrung derer zu hören, die gefühlt schon vor Jahrzehnten dort waren, wo wir leider heute sind.

„Virus“ in neuem Gewand und mit dazugehörigem Lyrikvideo gibt es ab Freitag, 17. April – und ab 10:00 Uhr auch als exklusive Premiere auf dem YouTube-Channel der Band. Nicht verpassen!

Quelle: CMM GMBH
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